• Lena Wickert

New Work - The New Normal?


New Work ist in aller Munde


Eine neue Ära wurde eingeläutet: Co-Working-Spaces, Sharing Economy, neue Arbeitszeitmodelle und die Arbeit als Freelancer sind jetzt angesagt.

Sogar das Privatleben bleibt nicht verschont, denn die Work-Life Balance scheint wichtiger denn je. Um das Ganze zu abzurunden, entpuppt sich auch noch die Corona Pandemie als beschleunigender Faktor und verhilft Homeoffice, School Working und Online-Seminaren zum Siegeszug. Aber auch Unternehmen mussten in diesem Zuge ihre Prozesse im Eiltempo digitalisieren, um den Ansprüchen der Digitalisierung und Automatisierung gerecht zu werden. Folgerichtig scheint der Begriff “New Work” so omnipräsent wie noch nie - doch was steckt alles dahinter, wie kam es dazu und vor allem, was sollten Führungskräfte bei der ganzen Sache beachten?


Der Begriff New Work


Das erste Mal wurde der Begriff “New Work” vom Sozialphilosophen Frithjof Bergmann Ende der 1970er Jahre erwähnt, um seine philosophische Ansicht auf das Thema Arbeit hervorzuheben.

Der Auslöser dieser philosophischen Ansicht lag in einer Beobachtung im US-amerikanischen Flint, Michigan. Hier untersuchte Herrn Bergmann den Einfluss der Automatisierung auf die Angestellten der General Motors Werke. Nicht nur zeigte die Automatisierung verschiedenster Prozesse einen negativen Trend in Sachen Arbeitnehmerbindung, sondern es entpuppte sich auch noch als erheblicher “Motivationskiller”. Diese Erkenntnis führte zu weiteren wichtigen Fragen hinsichtlich der menschlichen Wahrnehmung was Arbeit eigentlich bedeutet und wie der Arbeitgeber dazu beiträgt, diese Wahrnehmung positiv zu beeinflussen. Somit erschuf Herrn Bergmann den Begriff “New Work” und leitete eine neue Denkweise in der Arbeitswelt ein. Von nun an sollten die Menschen nicht mehr der Arbeit dienen, sondern die Arbeit solle den Menschen dienen um sich selber zu verwirklichen. Dieser Gedanke fand fast 50 Jahre lang keinen Anklang - bis neue Generationen, bewusst oder unbewusst, sich immer mehr mit dem Sinn der Arbeit beschäftigten und somit einen “Paradigmenwechsel” einläuteten.


New Work Im heutigen Kontext


Die Stimme der neuen Generationen blieb nicht unerhört und somit versuchen immer mehr Unternehmen mit tollen Offices oder super Arbeitsbedingungen, wie z.B. unbegrenzter Urlaub, kostenlose Getränke und Obst zu werben. Doch auch hier ist Vorsicht geboten: Laut Herrn Bergmann, ist es eben nicht ausreichend nur mit solchen Bedingungen zu werben - vielmehr ginge es den Arbeitnehmern um den Sinn der Arbeit und der Selbstverwirklichung. Aufgrund dessen haben es noch immer die meisten Unternehmen schwer, diese meist attraktiv klingenden Zulagen mit den wirtschaftlichen Zielen und den Ansichten und Ansprüchen der neuen Generationen zu vereinen.


Flexibilität, Innovation und Freiheit


Was Unternehmen zusätzlich aufarbeiten müssen, sind die Umstände die die Corona Pandemie mit sich gebracht hat. Durch die bundesweite Verordnung mussten viele Arbeitnehmer ins Home Office geschickt werden, was nicht nur zur Digitalisierung beigetragen hat, sondern auch unternehmensinterne Veränderungen. Hierarchische Rollenverteilungen wurden zunehmend “flacher”, Arbeitszeiten flexibler und die zuvor erwähnte Work-Life Balance erlebte eine kleine Renaissance. Diesen Umständen entsprechend, basierend auf Flexibilität, Innovation und Freiheit, lässt sich vermuten, dass Bergmann’s Ansatz nach so vielen Jahrzehnten anfängt zu fruchten und sich Arbeitnehmer endlich versuchen persönlich zu entwickeln und verwirklichen, statt sich durch die Arbeit vom eigenen “Ich” zu entfremden.


Um aus den heutigen Umständen rund um das Thema “New Work” Kapital zu schlagen, braucht es nun langfristig konzipierte Leadership Strategien, um das Wohl der Arbeitnehmer nachhaltig zu sichern und verbessern.

Wie also muss sich Leadership im Kontext des digitalen Wandels und New Work verändern?


Job Crafting


Bei dem Begriff des Job Crafting handelt es sich um den Ansatz, die individuellen Fähigkeiten und Stärken von Mitarbeitern, sowie ein Maß an Autonomie bei Entscheidungen in Unternehmen stärkere Beachtung finden und auch gefördert werden.

Denn es geht dabei allen voran darum, die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter zu verbessern. Wenn Führungskräfte sowohl die Fähigkeiten als auch die Motivation von Mitarbeitern im Team nicht nur erkennen, sondern auch fördern und ihnen dadurch Freiraum zur Weiterentwicklung geben und die Aufgaben entsprechend ihrer Fähigkeiten und Ambitionen umgestaltet werden, kann dadurch auch eine höhere emotionale Bindung zum Unternehmen aufgebaut werden und steigert nochmals die Motivation der Mitarbeiter.

Positiv Leadership


Der Begriff Positiv Leadership stammt aus der positiven Psychologie und ist, wie der Begriff schon verrät, ein positiver Führungsstil. Ziel des Führungskonzept ist es, dass Mitarbeiter sich persönlich einbringen und dadurch zum eigenen Handeln ermutigt werden und sich auch dazu noch persönlich weiterentwickeln. Der Schlüssel hierzu ist eine nachhaltige und positive Unternehmenskultur mit einer gesunden Feedback Kultur und der “Lizenz” Fehler zu begehen.

Der Ansatz besteht aus vier Elementen die zu der Entwicklung einer positiven Organisationskultur beitragen: der Talententwicklung, dem Engagement, der Entwicklung einer Vision und der Beteiligung (Teamentwicklung).


Holokratie


Essenziell ist nicht nur eine positive Führungskultur, sondern eben auch eine Veränderung von Organisationsstrukturen für die kommende Arbeitswelt, die die Abschaffung strikter Führungsebenen beinhaltet. Beispielsweise geht es darum, statt Entscheidungen von traditionellen Hierarchien treffen zu lassen, diese bei der Holokratie durch die selbstorganisierenden Teams zu ersetzen.

Das Konstrukt der altbekannten Hierarchien rückt hier eher in den Hintergrund, stattdessen wird hier die Aufgabenverteilungen so gestaltet, dass die Flexibilität eines Teamkonstrukts hier zum Vorschein kommt und alle Mitglieder des Teams selbst wählen, welche Aufgabenfelder sie übernehmen können oder auch möchten und welche eben nicht.


Das New Work Verständnis erfährt durch Wohlbefinden und Souveränität der Mitarbeiter hohen Anreiz und erscheint auch für junge Start-Ups viele Vorteile zu haben, da diese es häufig als Unternehmensstruktur implementieren wollen.


Fazit


Um den Begriff New Work nachhaltig in ein Unternehmen einzubauen, benötigt es proaktives und modernes Leadership, das eine Balance ermöglicht zwischen den persönlichen Anforderungen und Zielen eines Mitarbeiters und den wirtschaftlichen Zielen des Unternehmens. Hierbei ist zu betonen, dass es enorm wichtig ist, das “New Work” Momentum nicht als selbstverständlich zu sehen und es mit Angeboten wie “kostenloses Obst und Getränke” abzuspeisen, sondern eben nachhaltig einen Arbeitsplatz zu ermöglichen, bei dem Angestellte die Tätigkeit nutzen können um sich selber zu verwirklichen. Im Hinblick auf die immer anspruchsvoller werdenden jungen Generationen scheint dies der Schlüssel zum Erfolg zu sein.

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